Ja, genau das sagt sie, meine Freundin Aira: „Nimm das Krokodil aus der Tasche!“
Ich bleibe mitten auf der Straße stehen. „Welches Krokodil?“
„Das, das du seit Wochen mit dir herumschleppst. Du hältst die Tasche so fest, als könnte es jeden Moment zubeißen.“
Ich schaue hinein. Portemonnaie, Schlüssel, ein halb gegessener Müsliriegel, drei Taschentücher. Kein Krokodil. Nicht mal ein kleiner Gecko.
„Da ist keins“, sage ich.
„Ich weiß“, sagt Aira und grinst. „Aber du benimmst dich, als wäre eins drin.“
Wir lachen beide herzhaft. Denn sie hat recht. Seit Wochen laufe ich mit dem Gedanken „Es wird Probleme geben“ durch die Gegend.
Ich war so angespannt, dass ich fest damit gerechnet habe, das nächste Problem würde schon irgendwo auf mich warten. Also habe ich mich vorsorglich darauf eingestellt.
Ich mache die Tasche dann mitten auf dem Gehweg auf und halte sie amüsiert Aira zum Nachschauen hin. Sie späht sehr ernsthaft hinein und stellt trocken fest: „Kein Krokodil. Der Müsliriegel ist auch nicht mehr gut.“
Das ist das Verrückte an unseren Glaubenssätzen: Sie müssen nicht wahr sein, um uns auszubremsen.
„Andere können das viel besser als ich.“
„Irgendwo ist garantiert ein Haken.“
„Freu dich nicht zu früh“
Wir tragen sie mit uns herum, halten die Tasche fest zu und wundern uns, warum wir so erschöpft sind.
Dabei hat uns nie jemand ein Krokodil hineingelegt 🙂
Deshalb heute als Einladung: Mach deine Tasche auf. Schau wirklich hinein. Was ist tatsächlich drin? Und was hast du bisher nur erwartet?
Und falls da doch mal ein echtes Problem liegt: Das Gute an echten Problemen ist, dass man sie anschauen und lösen kann.
Das Krokodil dagegen frisst nur Kraft und tut sonst nichts. 🐊

